Frühjahr: Die Pflanzen wachsen sofort an. Binnen 4 Wochen haben sich ausreichend Wurzeln gebildet, um ein Aufschwimmen der Pflanzen zu verhindern. Bei gutem Ausgangsmaterial bilden sich schon in der ersten Vegetationsperiode Ausläufer und es wird eine hohe Bestandsdichte erreicht.
Sommer: Pflanzungen bis Mitte August haben noch die Chance anzuwachsen. Bei Trockenheit müssen die Pflanzen bis zum Anwuchs (mind. 4 Wochen) gewässert werden. Aufmerksamkeit bei Transport und Lagerung ist gefordert.
Herbst: Nachteil: Pflanzen sind ein halbes Jahr hydraulischen Beanspruchungen ausgesetzt, ohne dass sie verwurzeln. Vorteil: Wegen der Vegetationsruhe muss auf Beschädigung der Pflanzen durch Verknicken oder Vertrocknen nicht geachtet werden. Einige Arten wie Sumpfschwertlilie oder Seggen entwickeln bei entsprechender Witterung schon Ende Februar / Anfang März Wurzelaktivitäten. Bei einer Herbstpflanzung sind sie schon eingebaut und können ohne Störung weiterwachsen.
Winter: Ähnlich wie Herbst. Schädlich sind länger anhaltende Kahlfröste, welche Wurzeln und Rhizome austrocknen. Auf eine sorgfältige Einbindung in den feuchten Boden ist deshalb zu achten. Im Bereich der Wasserwechselzone (feuchter Boden) sind kaum Frostschäden zu befürchten. Unter ungünstigen Umständen kann Eisgang zu Pflanzenausfällen führen. An Ufern, die im Winter regelmäßig durch Eisschurf belastet werden, kann aus diesem Grund eine Frühjahrspflanzung günstiger sein.
Wenn in der unmittelbaren Nähe an ähnlichen Standorten Pflanzen gewonnen werden können, sind diese am besten an den Standort angepasst und eignen sich uneingeschränkt. Allerdings kann der Verwendung durch die verfügbare Menge dem Aufwand für das Werben der Pflanzen und der Verfügbarkeit zum benötigten Zeitpunkt enge Grenzen gesetzt sein. Andererseits ist bei Röhrichten nur an Extremstandorten (in Bezug auf klimatische, chemische, hydraulische Besonderheiten) auf genaue Herkünfte (spezifische Anpassungen) zu achten. Die meisten Röhrichtarten haben eine große physiologische Amplitude und wachsen unter unterschiedlichsten Standortbedingungen. Schließlich findet ihre Verbreitung in der Natur durch die Verdrift von Samen oder vegetativen Teilen mit der fließenden Welle statt, die dann an unterschiedlichsten Standorten abgelagert werden und dort neue Bestände bilden.
Die maximale Ausbreitung unter Wasser ist nicht zu Verwechseln mit der optimalen Pflanztiefe. Optimale Anwuchsbedingungen für alle Röhrichtarten sind seichte Uferbereiche (± 0 cm, d. h. direkt an der Wasserlinie). Dort können die Pflanzen einwachsen, „sich stark wachsen“ und von dort aus ausbreiten. Ist eine Pflanzung in der Wasserwechselzone nicht möglich, können kräftig entwickelte Pflanzen von z. B. Scirpus lacustris (Teichsimse) bis maximal – 30 cm gesetzt werden. Bei dieser Wassertiefe dürfen für einen Anwuchserfolg allerdings keine weiteren Belastungen, z. B. durch Wellenschlag oder Verbiss hinzukommen.
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Die hohen Röhrichtarten sind stark lichtbedürftig und wachsen nicht unter der Krone von Bäumen. Entscheidet man sich für eine Ufersicherung durch Röhricht, sollten Ufergehölze – wenn möglich – entfernt werden oder im Bepflanzungsplan schattentolerantere Arten in Nachbarschaft zu Bäumen gepflanzt werden. Für diese halbschattigen Standorte bieten sich vor allem die Verwendung von Sumpfschwertlilie, Seggen und Waldsimse an. Allerdings nimmt mit abnehmender Lichtstärke auch die Fähigkeit ab, vitale und hydraulisch belastbare Bestände zu bilden. Darüber hinaus nimmt mit zunehmender Beschattung die Blühfreudigkeit und Saatbildung und damit auch das Potential zur Bildung eines dauerhaft kräftigen, sich regenerierenden Röhrichts ab.
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Neben der Ausbreitung durch Aussaat kommt der vegetativen Ausbreitung bei Röhrichten eine besondere Bedeutung zu (s. Abbildungen 2.2.3 und 2.2.4) Als grobe Einteilung können zwei unterschiedliche Ausbreitungsstrategien unterschieden werden. Zum einen gibt es Arten, die sich entlang eines Wurzelstocks ausbreiten (Sumpfschwertlilie, Kalmus), zum anderen sind es die Pflanzen, die eine Fläche durch ihr artspezifisches Ausläufer- bzw. Rhizomsystem nach allen Seiten besiedeln (Schilf, Teichsimse, Rohrkolben, viele Seggenarten, Waldsimse). Rein horstartig wachsen dagegen die Flatterbinse (Juncus effusus) und einige Seggenarten (z. B. Carex paniculata). In der Ingenieurbiologie werden sie deshalb nur für besondere Sicherungsaufgaben verwendet. Ihre Vorteile liegen unter anderem in der großen Vitalität bei Belastungen durch Vertritt oder Verbiss. Bei geringem Nährstoffangebot, schwankenden Wasserständen und / oder Trockenheit bilden die Röhrichtpflanzen tiefgehende Wurzelsysteme aus. Schilf wurzelt 100 cm und tiefer; die anderen Röhrichtarten bilden Wurzeln von 60 – 80 cm Länge (die Streupflanzen hingegen verbleiben im Bereich der oberen 25 cm). Schon 6 – 8 Wochen nach der Pflanzung haben sich Wurzeln mit 40 cm Länge entwickelt. Wenn die Wasserstände konstant sind und eine gute Nährstoffversorgung gewährleistet ist, dringen die Pflanzen nicht so tief in den Boden vor; es entsteht ein dichter Wurzelfilz, der auf die obere Bodenschicht (30 – 40 cm) beschränkt bleibt.
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Ingenieurbiologische Pflanzungen dienen primär der Festlegung eines Standorts und dem Schutz vor Erosion. Sie können sich deshalb von Pflanzungen, die allein pflanzensoziologischen Aspekten folgen, unterscheiden. So kann z. B. der Einsatz der Sumpfschwertlilie als sog. Ammenpflanzung zunächst der Festlegung der Uferlinie dienen. Im Schutz vor Wellenauflauf kann dann dahinter die eigentliche, dauerhafte Bepflanzung erfolgen. Die Ingenieurbiologie berücksichtigt die sukzessive Abfolge unterschiedlicher Röhrichtgesellschaften bzw. setzt sie für spezielle Sicherungsaufgaben gezielt ein. Bei den Überlegungen für eine Ufersicherung kommt besonders an Stillgewässern der Verwendung von Schilfrohr eine besondere Bedeutung zu. Schilf ist sowohl eine Pionierpflanze als auch eine ausdauernde Art, die im Verbund sehr stabile und wuchskräftige Schlussgesellschaften bildet. Schilfrohr bildet oftmals regelrechte Monokulturen, die nur aus dem Kronenbereich von Bäumen zurückweichen und hier Seggen oder Sumpfschwertlilie Raum zum Wachsen lassen.
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Gewinnung vor Ort: Wie bereits erwähnt, sind vor Ort geworbene Pflanzen am besten an den zu sichernden Standort angepasst und sollten, wo immer es möglich ist, den Vorzug vor anderen Pflanzenherkünften erhalten. Eine in der Praxis häufig verwendete Technik des Pflanzenwerbens ist das manuelle Abstechen aus einem Bestand. Gängig sind Sodengrößen in den „Spatenabmessungen“ 20 cm × 20 cm × 20 cm. Dabei ist es wichtig, die Sode tief genug abzustechen, um die für den neuen Austrieb notwendigen vegetativen Teile (Ausläufer und Rhizome mit den entsprechenden Sprossen und Knospen) zu bergen. Der günstigste Zeitpunkt für die Gewinnung liegt außerhalb der Vegetationsperiode. Falls die Soden groß genug sind, kann die Methode das ganze Jahr angewendet werden. Von Juni bis September ist es sinnvoll, die Halme und Blätter zurück zu schneiden, damit die Pflanze bis zum erneuten Anwuchs keine Verdunstungsschäden erleidet. Aus diesem Grund ist auch eine ausreichende Bewässerung am neuen Standort sicherzustellen. Der große Nachteil dieser Art des Pflanzenwerbens sind allerdings die hohen Lohnkosten. Bei der Planung ist ferner zu bedenken, ob insgesamt ausreichend Pflanzenmaterial zur Verfügung steht, wie der Transport vom Ort der Gewinnung zum Einbauort durchgeführt werden soll und ob gewährleistet werden kann, dass zum Zeitpunkt der Baustellenabwicklung auch Pflanzsoden in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. Eventuell müssen Pflanzensoden bis Weiterverwendung zwischengelagert und gewässert werden Die Erfahrung zeigt, dass dabei immer wieder Schwierigkeiten auftreten können. Aus diesem Grund hat sich in der Praxis die Verwendung von Röhricht-Topfballen in unterschiedlichen Größen als sinnvolle Alternative erwiesen:
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Topfballen
Die Standardware im kommerziellen Bezug hat einen Topf mit einem Durchmesser von 5 – 10 cm. Oftmals täuscht aber ein hochgeschossener, frisch gedüngter Spross über eine nur mangelhafte Wurzelentwicklung hinweg. Wichtiger als die Topfgröße und die oberirdische Blatt- bzw. Halmmasse sind deshalb die Wurzel- und Rhizomausbildung. Nur wenn die Pflanzen Vermehrungsorgane ausgebildet haben, sind sie für einen Einsatz in der freien Natur tauglich.

Streupflanzen
Mit dem Begriff Streupflanzen bezeichnen wir Arten, die in erster Linie zur Auflockerung unter gestalterischen Aspekten innerhalb einer Röhrichtpflanzung Verwendung finden. Sie können vor allem im innerstädtischen Bereich in größerer Stückzahl vorkommen. Sie werden unter den Aspekten ausgesucht, wie sie sich im ingenieurbiologisch wirksamen Pflanzenverband zu halten und zu behaupten vermögen und in welchem Maße sie selber zur Bodenfestigung beitragen können. Da sie aber in der Regel nur eine geringe Wurzelmächtigkeit besitzen (Sumpfdotterblume, Mädesüß, Blutweiderich, Gilbweiderich) sind sie in beanspruchten Bereichen auf das Vorkommen / den Schutz der vitaleren Arten angewiesen.

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